Sabine Kaesser
Alfdorf/Pfahlbronn
In Alfdorf trafen sich der Betreiber der Ethylenleitung EPS und „Baden Württemberg gegen Ethylen“ diesmal in großer Runde zu einem weiteren Informationsabend. Die Wogen im vollbesetzten Bürgerzentrum in Pfahlbronn schlugen zeitweise hoch.
„Die Klage der Gemeinde Alfdorf gegen das Planfeststellungsverfahren ist noch anhängig“, erläuterte Bürgermeister Michael Segan zu Beginn des Abends. Vertreter der Betreiberfirma EPS (Ethylenpipeline Süd), des TÜVs, Gemeinderäte und zahlreiche betroffene Bürger versuchten einen Schritt weiter zu kommen an diesem Abend. Die Nachbarbundesländer, die von der Pipeline die von Rotterdam über Köln, Frankfurt bis Friedrichshafen reichen soll, haben fast vollständig unterschrieben. Bis Ende November hatten im Ländle erst rund 90 Prozent der Grundstückseigentümer zugestimmt.
Seit drei Jahren währt der Streit über die Pipeline, die vom Ostalbkreis kommend an der sogenannten Feldwegtrasse entlang quer durch die Gemeinde Alfdorf Richtung Karlsruhe führt. Auch Teilnehmer aus Lindach sind angereist und angesichts des brieflich angekündigten Enteignungverfahrens mit Stichtag 14. Dezember 2009 aufgebracht.
Manfred Kruse von der EPS weist nochmals unter den Pfiffen der Teilnehmer darauf hin, dass dieses Schreiben nicht als Drohbrief zu sehen ist und versichert: „Ich setze alles daran, dass mit jedem von ihnen das Gespräch noch vor Weihnachten gesucht wird“.
Die Bedenken der Anwohner angesichts der Ehtylenleitung sind groß. Wer haftet, wenn mein Pächter etwas an der Leitung zerstört? Kann ein Rohr platzen? Ist schon ein Echtversuch von Ihnen gefahren worden? Wie groß muss der Mindestabstand der Leitung zu bebauten Gebiet sein? Warum soll es nicht bei uns zu einem Unglück kommen? Zahlreich Fragen, die klar die Ängste und Befürchtungen der Bürger zum Ausdruck bringen. „Die Leitung führt nur 50 Meter an unserem Schlafzimmer vorbei, da habe ich einfach Angst“ meldete sich ein Pfahlbronnerin.
Der TÜV-Verantwortliche Hans-Joachim de la Camp führt zahlreiche Sicherheitsargumente an. Er verweist auf das modernste Regelwerk zur Sicherheit in Europa. Die Druckprüfung ist für 100 bar zugelassen, wird für 160 bar berechnet und auf 200 bar geprüft. Auch der Werkstoff, der kleine Durchmesser und die große Wanddicke der Rohre sowie das Sechsaugenprinzip bei der Prüfung wirft er in die Waagschale. Nachgebohrt wird auch bei der Frage der Unfallhäufigkeit. Ein Unfall in 70.000 Jahren ist die errechnete Wahrscheinlichkeit laut EPS. Die EPS zeigt auch einen Demonstrationsfilm, bei dem ein Bagger bewußt die Leitung zu zerstören versucht, was nicht gelingt. Für die Zuschauer bleiben dennoch gravierende Zweifel. Zweifel auch an der Seriosität des TÜVs werden insbesondere von dem Ingenieur Heinz Meitinger aus Iggingen laut.
Dabei hat die EPS schon Zugeständnisse gemacht: So wurde die Trasse so weit wie möglich von bewohntem Gebiet wegverlegt, auf zwei Meter Tiefe abgesenkt und beispielsweise mehr Schieber eingeplant. Ob das genügt, sei dahin gestellt.
Ehtylen, ein chemisches Zwischenprodukt der Kunststoffindustrie begegnet uns zahlreich im Alltag, etwa in Form eines Joghurtbechers oder im Automobil. Und dennoch steht für die anwesenden Bürger die Frage im Raum wie sicher der Transport dieses Gases in der Pipeline ist. Denn Ethylen ist hoch explosiv. Und eines ist sicher: in Alfdorf und Umgebung werden die Gegner des Projekts dieses noch weiter kritisch begleiten.
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